Pückler im Planetarium

Eine unverhoffte astronomische Entdeckung in der Pückler-Parkomanie-Ausstellung (zu der der gestern besuchte Dach-Garten gehört) in Bonn, eigentlich speziell wegen der 3D-Videos von Martin Papirowski am letzten Tag des Museumsmeilenfests aufgesucht: An einer Stelle kann man digital das Erinnerungsbuch IV von Hermann von Pückler-Muskaus zweiter England-Reise 1826-29 durchblättern, die auch durch Paris führte – und da wird man doch auf einmal doppelseitig mit der Lithographie eines unbekannten Künstlers von einer gewaltigen Orrery konfrontiert!

Konkret wird das Sonnensystems-Modell in der BU als „Uranorama“ bezeichnet: Darstellt ist eine Vorführung derselben durch einen Charles Rouy vor König Louis XVIII. Pückler hatte noch handschriftlich hinzu gefügt, dass man kleine Modelle für 1200 fr. kaufen könne – und sein Interesse daran wird in einem Absatz im 2. Band der Briefe eines Verstorbenen deutlich (eingescannt auch hier und hier). Pückler hatte bereits diverse „…amas“ aufgesucht und war zuletzt beim Uranorama gelandet:

„Das ist eine sehr ingenieuse Maschine, um den Lauf der Planeten unsers Sonnen-Systems anschaulich zu machen. Ich mag nicht läugnen, daß ich nie vorher eine so klare Idee vom Grunde der Jahreszeiten, der Mondwechsel u.s.w. hatte, als nach einer Stunde, die ich hier verbrachte. Mündlich werde ich Dich näher davon unterrichten, ja, wenn Du 1200 Franken daran wenden willst, kannst Du eine Copie der ganzen Maschine im Kleinen erhalten, die in keiner ansehnlichen Bibliothek fehlen sollte.“

rouy

Die Orrery wurde bereits ein gutes Jahrhundert früher entwickelt, mit Vorgängern bis in die Antike, und war um 1817 schon sehr ausgereift – aber das offenbar von M. Charles Rouy erfundene Uranorama (auch Gegenstand dieser Debatte 1833) soll irgendwie was Besonderes gewesen sein. Man findet zwei umfangreiche Rouy-Bücher darüber komplett online: Panorama Celeste von 1817 und Uranorama Familier – weiter blättern jeweils mit „>“ rechts. Eine Kurzbiografie Rouys ist hier auf den Seiten 498-501 zu finden – inklusive offenbar einer Beschreibung jener Einrichtung in der Vivienne-Passage, die Pückler besuchte. Und Bilder von kleinen Rouy-Orreries – vielleicht auch derselben, mit und ohne Komet – von 1812 hat’s hier und hier, wozu die obige Grafik aus einem seiner Bücher passt.

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